Facelifting Wiener Gründerzeithäuser – soziales Ungleichgewicht unerwünscht!

Energieschleuder oder Baujuwel? Facelifting oder Abriss? Ganz klar Facelifting. Denn ich liebe die vor 1914 errichteten Wiener Gründerzeithäuser, die mein Herz bei jedem Anblick höher schlagen lassen. Sie haben eine positive Ausstrahlung, fühlen sich gut an und sind für mich ein besonders erhaltenswertes Stadtgut. Allerdings muss man auch etwas dafür tun, um diesen kostbaren Immobilienschatz in Wien zu bewahren.

Indien soll die Klassifizierung nach der Hautfarbe abschaffen, Wien hat ein ähnliches Thema – nämlich Bezirksklasse und Hausklasse! Beobachten Sie sich bitte einmal selbst. Sind Sie voreingenommen oder ist es ihnen egal? Zehnter oder dreizehnter Bezirk, Gründerzeithaus oder 70er Altbau –  in welche Schublade passt er – der Mensch, mit dem ich mich anregend unterhalte?

Nicht zufällig sind die Gründerzeitquartiere mit ihren exorbitanten Miethöhen fast schon unleistbar. Rundherum eine bunte urbane Mischung von Kindergärten, Cafés, Galerien und trendigen Geschäften, die dieses Grätzel zur Stadtattraktion machen. Erdgeschosszonen und Hinterhöfe werden bespielt mit kreativen Gewerbelokalen und familienfreundlichen Geschäften. Alles und Jeder blüht auf. Fein!

Was liegt also näher, neue Stadtquartiere nach diesem Vorbild zu planen? Oder was sagen Sie dazu Herr Christoph Leitl? Gerade Sie als WKO-Präsident sollten den vielen Wiener Hauseigentümern mehr Anreize geben, um eine Erdgeschosszone sanieren zu können. Denn nicht in jedem Bezirk gibt es mutige Hauseigentümer, die sich über eine Gesamtsanierung eines Gründerzeithauses freuen. In einigen Bezirken werden sie vergessen, verfallen und werden damit auch weniger.

Laut Wiener Klimastrategie soll die Zahl von thermisch-energetischen Sanierungen erhöht werden, jedes Jahr ein bisschen höher und höher. Traurige Tatsache aber ist, diese Rate wird nicht einmal annähernd erreicht. Ich meine daher: Etwas mehr Aufmerksamkeit haben sich die rund 35.000 Gründerzeithäuser schon verdient, wurden sie fast für die Ewigkeit gebaut. Mein Appell an couragierte Hauseigentümer lautet: Vorausschauendes und kluges Sanieren zahlt sich aus! Apropos „Pfusch am Bau“ bei Gründerzeithäusern – Nein, danke! Außer Sie wollen eine mediale Werbeeinschaltung, dann lassen sie sich mal gut versichern!

Wenn die Stadt ihre Hauseigentümer fördert, statt Grundstücke an internationale Investoren zu verschleudern, wenn Planer und Bewohner als Gleichgesinnte ihrer Kreativität wieder vertrauen und wenn die Stadtplaner vergangenes Schönes mit den heutigen Bedürfnissen zusammenfließen lassen –  erst dann wird das Wohnen keine Misere und soziales Ausgliedern mehr sein.

Dann wird Wohnen in Wien wieder zur Wohnwonne – für Alle!

Meine Forderungen sind:

+ Stadterneuerung Gründerzeithaus, gemeinsam NEU denken!
+ Schutzzonen erweitern
+ Fördersystem vereinfachen
+ Sanierungspflicht einführen
+ Anreize für Hauseigentümer schaffen
+ Sanierung durch Bürgerbeteiligung fördern



One thought on “Facelifting Wiener Gründerzeithäuser – soziales Ungleichgewicht unerwünscht!

  1. im parifizerten altbau entscheiden leider manchmal einzelne eigentümer über die zukunft solcher gebäude. da werden persönliche kleinkriege am rücken einer möglichen sanierung (für alle) ausgetragen. dennoch sollte von seiten der „entscheidungsträger“ ein abriss deutlich erschwert werden; möglich: immobilienmarkt auf m3 umstellen (so zählt die raumhöhe und zahlt sich aus); einen ressourcenspiegel erstellen (gebaute substanz vs „verschwendung neubau“), …..

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