Männerdomäne Technik trifft auf Alpha-Frau

Fürchte das Weib von allen Seiten – im Speziellen auf der Baustelle – das Credo, wenn Frau nicht in der Männerdomäne „Technik“ untergehen möchte. Ich übertreibe natürlich – ein wenig! Doch es wird zur Gewohnheit, oftmals das A….loch zu sein, um die Testosteron geladenen Männer, auf dem Baustellen-Kindergarten-Haufen, im Zaum zu halten. Da funktioniert das Instrument der gewaltfreien Kommunikation nicht immer. Klare Ansagen und vor allem die Darstellung, das Alpha-Frau hier ins Team gehört und das letzte Wort hat, macht so manchen Alpha-Mann dann doch zum kooperativen Projektpartner. 

Auf der Welt haben mehr als 30 Mio. Mädchen keinen Zugang zur Bildung. Mein Privileg studieren zu dürfen und zu können hat mich ermutigt die Reise des Studiums anzugehen. Bei meiner Wahl für das Architekturstudium wusste ich, es herrscht eine Männerdomäne. Allerdings war mir das völlig egal, denn ein Kran, ein Hebelgesetz oder die Betongüte kennt kein Geschlecht und Mensch ist Mensch. Also rein ins kalte Wasser! Ausserdem hatte ich mit meinem männlichen Umfeld durchaus positive Erlebnisse, denn während meiner Schulzeit waren es die Lehrer, die meinten: „Du schaffst es!“ Was ich von den weiblichen Pädagoginnen nicht behaupten konnte. An dieser Stelle mein Appell: Lass dir von niemanden sagen – du schaffst es nicht! Und lass dich von keinen klein machen!

Es war schon irgendwie mein ganz persönlicher Luxus acht Jahre lang meine eigene Chefin zu sein. Auf zur Sonntagsbaustelle dafür am Montag in der Sauna entspannen. Besprechungen angepasst an die Kundin, den Inhalt und das Wetter – einmal im Büro, im Gastgarten und ein anderes Mal am E-Boot. Ich habe es genossen! Produktiv zu sein, mit einer großen Portion Lust am Tun. Kaum zu glauben, was? Ist das Verhalten nun weiblich, männlich oder geschlechtslos? Ehrlich gesagt für mich total unrelevant, ich war Kommunikations-Drehscheibe mit Leib und Seele.

Heute ist einloggen und ausloggen an der Tagesordnung. Im Angestelltenverhältnis versteht sich, mit mindestens 40+ Stunden. Arztwege sind unbezahlt und die Erreichbarkeit am Handy wird auch ausserhalb der Kernzeit gewünscht. Besprechungen werden strikt im gesichtslosen Büro abgehalten und das Mittagessen mit dem Baumeister wurde abgedreht. Macht kein gutes Bild, wurde mir gesagt! Wie das Ganze zeitmäßig möglich ist? Indem mein Mann weniger Stunden arbeitet. Eine geniale Bereitschaft die ich kaum von Frauen zu hören bekomme. Usus ist eher…das geht bei meinem Mann nicht, das erlaubt die Unternehmensstruktur nicht, die Mama bleibt die Mama, das geht halt nicht! Eh!

Akzeptanz – an diesem Wort arbeite ich die letzten zwei Jahre gedanklich, mental, physisch, am Kopf stehend, am Klo, in der Badewanne, im Wald und vor allem im Büro. Das Akzeptieren von Entscheidungen anderer und die „verstaubte“ Unternehmens-und Arbeitskultur in der Welt der Technik, Immobilien und vielen Männern. Lange habe ich gebraucht, um zu verstehen wieso ich nicht weiter komme. Männerdomäne trifft auf Alphafrau, die wenig Bereitschaft zu Überstunden zeigt.  Aha, interessant! Ausserdem säge ich am Sesselbein meines Vorgesetzten und versuche Ihn zu überholen. Der Grund wieso ich nicht weiter komme!? So oder so, mein „Ausgleich“ dazu ist – die politische Arbeit im Bezirk, in der Stadt für uns Menschen. Mein Motto: Anstatt Fernsehen – Stadt gestalten! Wie lange ich das noch durchhalte, frage ich ich mich in letzter Zeit schon öfter.

Übrigens, dass habe ich fast vergessen, natürlich die Rolle der Mutter, Haushälterin, Köchin, Schwester, Tochter, Freundin und irgendwann auch mal Frau zu sein. Dabei kann „Männerdomäne Technik“ ruhig auf  „Alpha-Frau“ treffen, denn da ist sie nicht erreichbar, untergetaucht und pflegt das Weib von allen Seiten, damit sie dem Bock und dem Pferd bei Bedarf kontert. So, mein kleiner Auszug wie ich meine verschiedenen Rollen als Frau lebe und was es für mich bedeutet, eine Frau in einer männerdominierenden Welt, zu sein. Und für die fotografischen Skeptikerinnen, ich habe lange überlegt soll ich soll ich nicht – somit teile ich mein Foto mit euch, vor allem für die FRAUEN, weil Klischees und ein anderer Blickwinkel auch bewegen dürfen.

Mein zweiter Appell an alle Mädchen, auch wenn es chaotisch, zäh und hart wirkt: Auf in die Technik! Auf in die Politik! Frau mit Stil sein, erlaubt!

Ich glaube an einen gemeinsamen Nenner – hier meine politische Forderungen und großes Träumen….nicht nur am 8. März:

+ Es braucht Arbeitszeit- und Arbeitsmodelle für ALLE nicht nur für Frauen

+ Mehr proaktive Frauen-Förderung in Unternehmen, in der Politik

+ Eine Männerpolitik, die für Pro-Frau & Pro-Familie steht

+ Erweiterung einer politischen und technischen Bildung in Schulen

+ Angepasstes Gehalt für Frau in der Technik

+ Mut für Burschen und Männer sich für frauenbesetzte Lehrstellen und Jobs zu bewerben

Links:

ORF-Weltfrauentag 2017

Österreich sucht Technikqueen

Sprungbrett – Frau in Technik

Das falsche Geschlecht

Photo: Thomas Steinbichler  Zitat: Die Frau aus der Sicht eines russ. Schriftstellers Anton Tschechow

 

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2 thoughts on “Männerdomäne Technik trifft auf Alpha-Frau

  1. Eine Denkweise die auch ich, schon sehr lange vertrete. Denn meine Frauen waren immer Alphatiere, die mir ein gerechter Ausgleich sind und das Leben vielmehr bereichernJa, sie ist ähnlicher Meinung wie ich! Sie hat aber auch noch ein anderes Problem aufgezeigt. Da immer mehr junge Mädchen in technische Berufe drängen und solche typischen für Frauen die Lehrstellen verloren gehen. Die aber wiederum nicht von jungen Männern nachbesetzt werden! Bernd Von Hochfelln-Eberstein

  2. Ich applaudiere laut deine politische Forderungen!

    In einer modernden Welt, in der wir glauben zu leben, sollen wir nicht mehr über Frau-Mann-Rolle reden, sondern über Team- und Partnerarbeit in allen sozialen Strukturen und auf allen Ebenen.

    Wir sollen den Naphthalin-Mantel der Vergangenheit endlich ausziehen!

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