Selbstbestimmung über der Gürtellinie

Selbstbestimmung

Selbstbestimmung in die Wiege gelegt:

Meine Eltern haben mich als Jugendliche für die Zukunft gut gerüstet. „Lass dich nicht unterdrücken!“ Der ausgeprägte Gerechtigkeitssinn innerhalb meiner Familie führte mich hin zum Aufstehen, auch für andere. Mach den Mund auf, wenn du oder jemand anderer ungerecht behandelt wird. Entscheide nach freiem Willen über dein Leben. Selbstbestimmung als Gegenteil von Manipulation, Fremdbestimmung und Unterdrückung. 

Sie haben immer wieder gelehrt, das wir ALLE „nur“ Menschen sind. Finde in jedem Menschen das Positive und versuche immer respektvolle Umgangsformen. Auch das Fine-Tuning an der weiblichen Selbstbestimmung über der Gürtellinie habe ich schon in jungen Jahren oftmals gebraucht und bis heute angewandt. Ganz egal wen du vor dir hast einen Arbeiter, eine Kellnerin, eine Direktorin oder einen Lehrer, egal wen auch immer. Sei so zu anderen, wie du behandelt werden möchtest. So habe ich mir als Flirt-Sympathisantin meine Top-Regel aufgestellt: Lass die Hände bei dir! Auch wenn ich dich sympathisch finde, gilt dir mein Respekt.

In der Praxis:

Durch die Reaktion meiner GesprächspartnerInnen, hat sich meine weibliche Selbstbestimmung über der Gürtellinie, oftmals als eine Frau mit rauer Schale entpuppt. Und erst am zweiten Blick, wird mein weicher Kern sichtbar. Was mir ja auch nicht leicht fällt, denn wenn ICH jemanden sympathisch finde, so umarme ich ihn herzlich. Schon zu viel, meinen Sie? Durchaus möglich. Ganz nach dem Motte: Lass die Hände bei dir! In der Bauwelt war mir dann eines immer klar, ich kann die Leute natürlich nicht herzen. So mein Motto: Lass die Hände bei dir! Bis aufs Hände schütteln. Egal wem ich begegne statt der herzlichen Umarmung, gibt es den klassischen Hand-Shake. Ohne Ass-Slap! Gut, oder?

No-Go’s gepaart mit eigener Erfahrung:

Ich kann ja dem knackigen Elektriker nicht einfach auf den Po grapschen und ihm sagen wie scharf ich ihn finde. Oder, kann ich doch? Darf ich dem Elektriker sagen, er soll mit mir nicht so viel reden, sondern sich zum Elektro-Verteiler umdrehen, damit ich besser seinen geilen Arsch sehen kann. Darf ich das Machtspiel als Frau so spielen? Genau so wie vor vielen Jahren einer meiner älteren Bauherrn es gespielt hat? Ehrlich gesagt, finde ich es einfach nur absurd, respektlos und definitiv über der Gürtellinie! Hier gilt nur Eines – Brust heraus und Mund auf: „Oida, lass ja die Hände bei dir!“

Grenze notwendig:

Da werkt die Architektin mit Herz und Seele oft stundenlang mit dem Bauherrn am Projekt und dann mit den Ausführenden bis in die Morgenstunden hinein. Und irgendwann im Laufe eines Jahres kommen da so Äusserungen, welche da die harte Schale schaffen. Äusserungen unter der Gürtellinie. Äusserungen, bei denen ich gerne das Schild aufstellen möchte. Sie kennen dieses Schild. Egal ob es sich um zerbrechliche Ware oder toxische Stoffe handelt – oftmals ist ein Berühren von Gegenständen oder Textilien einfach nicht erwünscht. Wer diese Bitte deutlich machen will, sollte dieses Schild in der Nähe dieser Dinge anbringen. Die mit roter Farbe durchgestrichene Hand macht auch ohne Worte deutlich, was hier unerwünscht ist. Bitte nicht berühren! Und dass gilt auch für das ausgesprochene Wort – Halt die Klappe!

Ladies & Gentlemen, habt Mut zur Selbstbestimmung:

Und lasst euch nichts gefallen – Zeigt Stärke und werdet laut, sprecht mit einer Vertrauensperson, eurem Vorgesetzten, mit der Presse, dem Lokalbesitzer, der Polizei oder mit sonst jemandem darüber. Bleibt souverän bei verbalen Attacken und belegt dazu ein Schlagfertigkeits-Seminar. Trainiert eure Reflexe wie z.B. beim Wing Chun. Es ist nicht in Ordnung am Arbeitsplatz oder an öffentlichen Orten sexistische Äusserungen oder Berührungen zu akzeptieren.

Zum Reinschauen:

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Sexuelle Gewalt an Frauen

Heikle Grat zwischen Flirt und Belästigung

Foto: Raumsinn

 



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